Auf dem karnischen Höhenweg geraten wir plötzlich in eine Herde italienischer Schafe. Obwohl diese Unterscheidung vor allem auf wissenschaftlich unbegründeten Vorurteilen beruht. Akustisch lässt sich in den Blökrufen der italienischen Schafe nämlich ein größerer Variantenreichtum hören, als zwischen der österreichsichen und der italienischen Schafnation nachgewiesen werden kann – und umgekehrt!

Seit Mai bin ich Mitbesitzer eines VW-Busses. (Nach langer PKW-Verweigerung und ökologischem Urlauben mit Fahrrad und Bahn lässt sich diese Entwicklung vielleicht als Ausdruck zunehmenden Alters interpretieren.) Als Autobesitzer und auch -benutzer bin ich auch zum Fahrgeräuschelauscher geworden. Und unter diesen ist das wohl prägnanteste jenes Geräusch, das vorher noch nicht da war. Dieses war nach einer längeren Ausfahrt in Richtung Süden plötzlich da, ein unangenehmes Knarzen rechts vorne. Der Mechaniker fand nach zehn-minütigem Autoschaukeln, Lauschen und nach Vibrationen Tasten die Geräuschquelle. Unangenehmerweise stand schon am Prüfbericht des Automobil-Clubs, dass dieser Teil ausgetauscht gehört. Es ist aber trotzdem immer schön dabei zu sein, wenn Handwerker mit dem Gehörsinn arbeiten.

Im malerischen Küstendorf Koromačno auf Istrien entdecke ich ein Zementwerk. Obwohl … entdecken ist nicht der richtige Ausdruck, denn das Gebäude hat mehr Masse als die ganze Ortschaft. Und noch ein paar Nachbarorte dazu. 2026 feiert es seinen hundertsten Gebrutstag, meint der Kellner des Gasthauses, von dessen Terasse man direkt auf das riesige Werk blickt. Aber nicht nur optisch prägt es die Landschaft – auch akustisch mischen sich das überdimensionierte, sich ständig drehende Metallrohr und die veschiedenen Quietsch- und Zischlaute charaktervoll in die adriatische Kulisse.

In meinem Kellerabteil habe ich beim Einzug einen hässlichen Ventialtorturm gefunden. Jetzt im Juni 2021, wenn die Temperaturen sich draußen regelmäßig den 35°C und in meiner südseitigen Wohnung den 28°C nähern, bin ich immer wieder froh, dass ich ihn nicht gleich entsorgt habe. Das klingt dann so:

In dieser Ausgabe der Sendung zum Zuhören hören wir Hämmern, Klopfen und Schwingen in der Finsternis. Ein Beitrag aus dem Darkroom im Kultur Café Max, zu hören hier.

 

In der neuen Ausgabe der Sendung zum Zuhören summt, brummt, dröhnt, saust und zischt es in verschiedensten Tönen. Eine Odyssee durch die mechanisierte Behaglichkeit. Zu hören hier.

Gegenüber der Tankstelle und der Autowerkstatt in der Baldiagasse,Wien Ottakring, hat eine Amsel den lokalen Soziolekt erlernt: Industrial Free Jazz.

Illustration: Myriam Parth

 

Zum vollen Genuss des Sounds des Monats benutzen Sie bitte Kopfhörer. Mehr Geräusche des Jahres 2021 finden sich hier.

Am Mittwoch den 28. April ist zum 24. Mal der International Noise Awareness Day (“Tag gegen Lärm”). Von 13:30-16:00 findet dazu eine Onlineveranstaltung mit dem Titel “Immer noch zu laut?” statt.  Der Flyer dazu ist hier zu finden.

In dieser Ausgabe der Gehörschnecke hören wir den abwechslungsreichen und spannenden Klang der Wechselspannung. Zu finden hier.

In der aktuellen Sendung hören wir einen Beitrag aus dem Frühjahr 2020, in dem wir uns mit den Geräuschen  der Märkte, Spielplätze und Straßen beschäftigen. Mit Clemens Miggitsch wandeln wir dabei durch die Thaliastraße in Wien Ottakring. Zu hören ist das alles hier.

10/75