Ein spannende Serie über akustische Ökologie und Flussgeräusche auf Ö1. Noch eine Woche nachzuhören hier: https://oe1.orf.at/player/20220214/668831

Nahe der A2 in Kärnten liegt der geheimnsivolle Töllerberg, an dessen Hängen seit letztem Jahr fünf schwarze Schafe grasen: Linda, Flecki, Lama, Daria und Rolex Breitling (benannt nach der markengeschützten Zeichnung auf ihrer Nase). Unlängst hat sich der ungeschorene Magnus zu ihnen gesellt, mit dem zusammen sie an Wintersonntagen (und auch an allen anderen Tagen der Woche) meditativ-hurtig Heu kauen.

Friedhöfe sind vor allem im Winter beliebte Treffpunkte für Krähen. Unter anderem, weil Blumenschmuck durchaus nahrhaft sein kann und auch das Wachs der Grablichter in der kalten Jahreszeit wichtige Energie liefert. Im Hernalser Friedhof sind die Bäume deshalb dicht beschwärmt und der Krähengesang ist eine ständige Klangkulisse zur sonst stillen Idylle.

Den kompletten Soundkalender 2021 gibt es hier.

Im stürmischen November durchschneidet ein Schilfgebüsch auf einer Lichtung im Wienerwald mit säuselndem Pfeifen den Westwind.

Mehr Einträge aus dem Sound-Kalender 2021 gibt es hier.

Im Meditatitionsraum des buddhistischen Zentrums Scheibbs befindet sich ein Kleinod akustischer Installationskunst. Die Heizkörper, die über einen Holzofen im Nebenhaus betrieben werden, dehnen sich nämlich beim Erwärmen mit polyrhythmische Klopfkaskaden aus. Vor allem in der Früh, wenn die Heizung eingeschalten wird, entsteht dadurch eine anspruchsvolle Klangkulisse für die Morgenmeditation.

Auf dem karnischen Höhenweg geraten wir plötzlich in eine Herde italienischer Schafe. Obwohl diese Unterscheidung vor allem auf wissenschaftlich unbegründeten Vorurteilen beruht. Akustisch lässt sich in den Blökrufen der italienischen Schafe nämlich ein größerer Variantenreichtum hören, als zwischen der österreichsichen und der italienischen Schafnation nachgewiesen werden kann – und umgekehrt!

Seit Mai bin ich Mitbesitzer eines VW-Busses. (Nach langer PKW-Verweigerung und ökologischem Urlauben mit Fahrrad und Bahn lässt sich diese Entwicklung vielleicht als Ausdruck zunehmenden Alters interpretieren.) Als Autobesitzer und auch -benutzer bin ich auch zum Fahrgeräuschelauscher geworden. Und unter diesen ist das wohl prägnanteste jenes Geräusch, das vorher noch nicht da war. Dieses war nach einer längeren Ausfahrt in Richtung Süden plötzlich da, ein unangenehmes Knarzen rechts vorne. Der Mechaniker fand nach zehn-minütigem Autoschaukeln, Lauschen und nach Vibrationen Tasten die Geräuschquelle. Unangenehmerweise stand schon am Prüfbericht des Automobil-Clubs, dass dieser Teil ausgetauscht gehört. Es ist aber trotzdem immer schön dabei zu sein, wenn Handwerker mit dem Gehörsinn arbeiten.

Im malerischen Küstendorf Koromačno auf Istrien entdecke ich ein Zementwerk. Obwohl … entdecken ist nicht der richtige Ausdruck, denn das Gebäude hat mehr Masse als die ganze Ortschaft. Und noch ein paar Nachbarorte dazu. 2026 feiert es seinen hundertsten Gebrutstag, meint der Kellner des Gasthauses, von dessen Terasse man direkt auf das riesige Werk blickt. Aber nicht nur optisch prägt es die Landschaft – auch akustisch mischen sich das überdimensionierte, sich ständig drehende Metallrohr und die veschiedenen Quietsch- und Zischlaute charaktervoll in die adriatische Kulisse.

In meinem Kellerabteil habe ich beim Einzug einen hässlichen Ventialtorturm gefunden. Jetzt im Juni 2021, wenn die Temperaturen sich draußen regelmäßig den 35°C und in meiner südseitigen Wohnung den 28°C nähern, bin ich immer wieder froh, dass ich ihn nicht gleich entsorgt habe. Das klingt dann so:

In dieser Ausgabe der Sendung zum Zuhören hören wir Hämmern, Klopfen und Schwingen in der Finsternis. Ein Beitrag aus dem Darkroom im Kultur Café Max, zu hören hier.

 

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